Behauptung: Asylverfahren dauern im Schnitt 1400 Tage

Bei den Verfahrensdauern wird immer eine Zahl von 1400 Tagen (knapp 4 Jahre) zitiert. So z.B. von der SVP in Mediencommuniqués vom 20. Februar 2012 und vom 5. Juni 2012: «Verfahren dauern im Schnitt 1400 Tage, …»

Die Zahl ist so schlicht falsch. Sie stammt zwar aus dem Beschleunigungsbericht (März 2011) des Bundesrats, errechnet sich aber aus der durchschnittlichen Verfahrensdauer jener Verfahren, in denen von abgewiesenen Asylsuchenden sämtliche Rechtsmittel (Rekurs Bundesverwaltungsgericht, Wiedererwägungsgesuche etc.) ergriffen werden (vgl. korrekt das Votum von SR Egerszegy am 12.1.2011). Jedoch werden bei weitem nicht bei allen Asylgesuchen alle Rechtsmittel genutzt. Im Gegenteil: bei Dublinfällen wird in über 97% der Fälle überhaupt kein Rechtsmittel ergriffen, und die Dublinfälle machen knapp 40% der Asylgesuche aus.
Im selben Beschleunigungsbericht (S. 7) und ebenso in der Einleitung der Zusatzbotschaft zur Asylgesetzrevision werden für 2008 bis 2010 weit tiefere Zahlen genannt:

«Im Rahmen der Eintretensdebatte vom 23. November 2010 wurde festgestellt, dass die Behandlung aller Asylgesuche in den letzten drei Jahren vom Eingang des Asylgesuchs bis zu einem rechtskräftigen Asylentscheid durchschnittlich 413 Tage dauerte. Werden nur diejenigen Fälle betrachtet, in denen eine Beschwerde eingereicht wurde, so waren es durchschnittlich 756 Tage.»

Schon 2010 dauerte ein durchschnittliches Asylverfahren nicht, wie die SVP ständig behauptet, 1400 Tage, sondern durchschnittlich 413 Tage.

Seither haben sowohl das BFM wie auch das Bundesverwaltungsgericht die Behandlungsfristen weiter gekürzt. Das BFM hat das erstinstanzliche Verfahren von 231.5 Tagen (Schnitt 2008 bis 2010) auf 170 Tage (Schnitt Juli 2012) gekürzt (QUELLE: Beschleunigungsbericht / Tages-Anzeiger 11.9.2012, S. 5).

20120911_ta_grafikverfahrensdauer

 

Das Bundesverwaltungsgericht erledigt fast 50% der Fälle innert 30 Tagen und weitere 10% innert höchstens drei Monaten (QUELLE Medienkonferenz BVGer, 12.4.2012).